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Japanische Fächer

Ogi, Sensu
und Uchiwa:

Blattfächer
Uchiwa 1

Blattfächer
Uchiwa 2

Faltfächer
Ogi oder Sensu 1

Faltfächer
Ogi oder Sensu 2

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Japanische Fächer
Ogi und Uchiwa: Falt- und Blattfächer aus der Heian bis Showa Zeit

Aus dem Land des Fächers

Ôgi und Uchiwa – Japanische Falt- und Blattfächer der Heian- bis Shôwa-Zeit

„From the Land of the Fan“, unter diesem Titel zeigte vor einigen Jahren das Fächermuseum in Greenwich eine Ausstellung mit japanischen Fächern: Wie viel Wahrheit in diesem Titel steckt, zeigte sich im Laufe der Vorarbeiten für unsere neue Ausstellung sehr schnell. Geht man dem Phänomen des Fächers in Japan und seiner Kunst nur ein wenig nach, wird man ihn immer häufiger, ja beinahe allgegenwärtig finden: sowohl in der Vielfalt der Fächerformen selbst, als auch in den zahlreichen Funktionen, die der Fächer im japanischen Leben und der japanischen Kunst einnimmt. Nicht nur dient er dazu, um sich bei großer Sommerhitze und schwülem Klima Kühlung zu verschaffen, sondern er ist ganz und gar unentbehrlich in der Gesellschaft und der Kultur, in Kampf, im Sport und im Spiel, im Tanz und im Theater, in Legende, Geschichte und Literatur, im Alltag der Menschen, sein Abbild findet sich auf Malereien und Drucken, auf Keramik, Textilien und Objekten, in Form von Süßigkeiten und Kuchen, als Wappen, ja selbst in der Anlage eines ganzen Stadtviertels, betrachtet man etwa die Fächergestalt der künstlich angelegten Insel Deshima vor Nagasaki...

Meist denken wir beim japanischen Fächer zuerst an den Faltfächer, Ôgi oder Sensu genannt, eine japanische Erfindung der Heian-Zeit (794-1185). Die ersten Faltfächer (Hiôgi), zusammengehalten durch einen Dorn und bunte Fäden, die man am Rand kunstvoll verknotete und herabhängen ließ, waren aus dünnen Zypressenholzblättchen und vielfarbig prächtig bemalt. Sie dienten am Kaiserhof als Standes- und Statussymbol. Aus dem Hiôgi entwickelte sich später der hauptsächlich für den Export hergestellte, in Europa beliebte Briséfächer („gebrochener“ Fächer). Diese, kostbare Kunstwerke der Meiji-Zeit (1867-1912), wurden meist aus Elfenbein oder Schildpatt hergestellt und aufwendig mit filigranen Dekors in erhabener Gold- oder Silberlackmalerei (Hiramaki-e) verziert.

Die zweite Art des Faltfächers, der Kamiôgi (Papierfächer) entwickelte sich ebenfalls von der Heian-Zeit an. Er ist die wohl bekannteste Form des japanischen Fächers. Seine Stäbe aus Holz oder Bambus wurden mit Papier (bei luxuriösen Exportfächern Elfenbeinstäbe mit Seide) beklebt, welches in den mannigfaltigsten Weisen bemalt, beschrieben oder bedruckt war.

Die bedeutendsten Künstler Japans aus den großen Maltraditionen der Tosa-, der Kano-, der Rimpa-, der Nanga-, der Shijo-, sowie der Ukiyo-e-Schule gestalteten Fächerblätter für die verschiedenen Arten des Faltfächers: kostbare mit Gold, Silber und Mineralfarben bemalte Fächer für den Tanz (Mai-ôgi) und für das Nô-Theater (Chûkei-ôgi), schlichte, edle Fächer für die Teezeremonie, Fächer für das Neujahrsfest sowie für die anderen Jahresfeste und feierlichen Anlässe. Häufig wurden solche hochgeschätzten Blätter später von den Stäben abgenommen und als reine Bildkunstwerke auf Hängerollen oder Stellschirme montiert; und oft wurde ein solches Bild gar nicht erst auf Fächerstäbe montiert. So wurde das Fächerblatt selbst zu einem Bildformat, das für die Künstler immer wieder  eine besondere kompositorische Herausforderung darstellte.

Nach der Öffnung Japans entstand in Europa und Amerika mit dem Japonismus im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein schier unstillbares Verlangen nach japanischer Kunst und Kunsthandwerk: die Maler und Handwerker Japans schufen nun für den Export einfache, charmante Souvenirfächer, aber auch luxuriöse Kunstwerke für die vornehme Dame der westlichen Gesellschaft. Letztere zeichnen sich besonders durch ihre feindetaillierte Malerei auf Seidengrund aus, und – eine Neuerung – durch reich mit Lackauflagen verzierte Fächerstäbe aus Elfenbein und besonders kunstvoll gearbeitet Deckstäbe mit reliefartigen Auflagen aus Goldlack und eingelegten Schnitzereien im Shibayama-Stil. Die dargestellten Motive und Sujets blieben jedoch ganz japanisch: feinsinnige Naturdarstellungen, Landschaften und Szenen im Ukiyo-e-Stil.

Die bei uns vielleicht etwas weniger bekannte – aber in Japan auch heute noch sehr populäre Form des Fächers ist der Uchiwa, der mehr oder weniger runde, steife Blattfächer. Er stellt die ältere Form des Fächers dar und wurde schon in der Asuka-Zeit, im 6./7. Jahrhundert, zur gleichen Zeit wie der Buddhismus und die chinesischen Schriftzeichen, aus China eingeführt. Seine zeremonielle Ausprägung ist der Gumbai uchiwa, der Feldherren- oder Kommandofächer, mit einer etwas geschwungenen Form und durchgehendem Stiel. In dieser Form existiert er heute noch als Schiedsrichter-Fächer beim Sumô-Ringkampf.

Der volkstümliche Uchiwa, mit dem vor allem die Frauen sich im heißen Sommer wirksam Kühlung verschaffen, besteht etwa seit der Edo-Zeit aus einem Stück Bambusrohr, welches in seinem oberen Teil in zahlreiche sehr dünne Rippen gesplittet wird; diese werden mittels eines Haltefadens und eines durch den Stiel gesteckten, gebogenen dünnen Rohrs radial in Form gehalten und beidseitig mit bemaltem oder bedrucktem Papier beklebt. Seit der Meiji-Zeit gibt es auch Uchiwa mit angesetztem Holzgriff, besonders in Kyôto. In der Blütezeit des Uchiwa schufen viele Künstler des Ukiyo-e-Farbholzschnitts wie Hiroshige, Kunisada und ihre Nachfolger Fächerblätter.
An den Blattfächern der Meiji-Zeit, oft handelt es sich dabei um Werbe-, Souvenir- oder Gebrauchsfächer (daher auch recht selten, da meist nicht aufbewahrt!) lassen sich oft in besonders reizvoller Weise die Umbrüche jener Zeit ablesen, sowohl an den verschiedenen verwendeten Dekorationstechniken, wie z.B. Farbholzschnitt, Pochoir (Schablonierung), Lithografie oder Lichtdruck, als auch an den Motiven, oft eine Mischung aus Nostalgie und Modernität.

Dennoch bleibt eines bei allen japanischen Gebrauchsfächern – auch den Exportfächern – beständig: sie sollen dem sich mit ihnen Luft zufächelnden Fächerbesitzer nicht nur durch ihre Handhabung, sondern auch durch ihr Betrachtet-werden gleichsam psychologisch kühlen: darum darf es nicht verwundern, wenn wir auf Fächern nicht nur immer wieder dahinplätschernde kleine Wasserläufe, Meeresbuchten, Pflanzen und Tiere am Wasser finden, sondern nicht selten sogar Schneemotive und Winterlandschaften.

Evelyn Lachner

 


 

Literatur zum Thema:

Neville John Irons: Fans of Imperial Japan. Kaiserreich Kunst, Hong Kong, 1982

Patrizia Jirka-Schmitz: Japanische Fächerbilder. Offermann & Schmitz, Wuppertal 1989

Julia Hutt & Hélène Alexander: Ôgi. A History of the Japanese Fan. Dauphin Publishing, London, 1992

Lydia Icke-Schwalbe u. Rose Hempel: Uchiwa und Ogi. Mode und Sitte im japanischen Fächer. Staatliches Museum für Völkerkunde, Dresden 2000

Harley Preston, Hélène Alexander et al.: From the Land of the Fan. The Fan Museum/The Museum of East Asian Art, London 2001

 


 

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